Darüber schreib ich nicht

Ich habe mir viel Zeit genommen, nicht über das wechselseitige Mord-, Folter-, Missbrauchs-, Qual- und Unmenschlichkeitsgebrenne im Nahen Osten zu schreiben, weil man über sowas eigentlich nix schreiben kann und damit das auch nicht tun sollte. Dabei scheint mir, der nahe Osten sei uns noch nie so fern gewesen wie jetzt. Dass die Hamas mit dem Metzel-Wahn angefangen hat und arglose Menschen sinn- und gnadenlos geschändet, geschlachtet und vergeiselt hat ist klar. Dass sich Israel dagegen mit aller Macht rächen würde, war von Anfang an ebenso klar, hat das alttestamentarische Bekenntnis der Talionsformel mit Augen und Zähnen ja schon seit 700 vor Christus den Weg in die Tora gefunden. Die Hamas wusste also, dass schon allein aus Tradition zurückgemeuchelt werden würde, was im Blutracherausch eines eigentlich schon längst körperlich und geistig abgewirtschafteten, präventiv erfolglosen Politikers mündete. Der konnte sich dank des Massakers trotz allen Versagens halten, weil man einem überschießenden Verteidigungsmörder als braver Staatsbürger in solchen Zeiten ja nicht einfach die Hose auf offenem Schlachtfeld herunterziehen kann. Man weiß ja, wie Dolchstoßlegenden entstehen und wohin sowas führt.

Jetzt kann ausgerechnet ich als Erbe der glücklicherweise nicht total erfolgreichen, aber unübertroffen grausamen Judenvernichter natürlich nix gegen Israel sagen. Das steht mir nicht zu. Ich muss an der Seite Israels stehen, das ist geschichtlich gesetzt. Für den Schutz der Hamas zu schreiben ist nicht in Ordnung, aber darf ich wenigstens was für die geschundenen Palästinenser sagen? Hier wird ja nicht ein Auge für ein anderes genommen, sondern ein ganzes Volk auf dem Richtstock des „zeig mir mit wem Du wohnst, dann zeig ich Dir mit wem Du stirbst“ geblendet. Ein Geisel- und Glaubensmissbrauch zu Gunsten des innenpolitischen Überlebens? Das hatten wir an anderer Stelle in der Geschichte auch schon mal. Aber wie kann ich in einem Text für ein ausgewogen formuliertes Palästina-Israel-Support-Gleichgewicht sorgen?

UND wenn ich das schaffen sollte, was soll ich mit den Protesten gegen Israel anfangen? Die Amerikaner haben ja schon keine Ahnung, was sie mit ihren Studenten tun sollen, ohne gegen ihre Neutralitätsüberzeugungen zu verstoßen. Was tun, wenn die Freitags-Greta ihre neue Zukunft im Schüren eines antisemitischen Klimas vor der ESC-Singhalle findet, ohne dabei auch nur einen Ton gegen die schauerlich professionellen Anfänger der menschenverachtenden Lebenslöscherei zu äußern?  Greta verhaften? Schluß mit Spaßberger? Oder freie Meinung achten und so unfreiwillig Judentöten legitimieren?  Da entsteht in Schweden eine Euro-Vision ohne Zukunft? Darf ich irgendwas gegen irgendwen sagen, um so ein Nethan-nein-hu zu verkünden, dafür aber als Antisemit betitelt zu werden? Leiste ich damit den palästinensischen Mordgesellen Vorschub?

Deshalb wollte ich ja die ganze Zeit seit Beginn des Schlachtens nix schreiben, denn eigentlich bin ich ja unverändert gegen jeden, der Menschen aus niederen, höheren oder ganz hohen Beweggründen mordet. Mit jedem Tastenschlag laufe ich doch nur Gefahr von einem von denen für oder gegen seine Sache instrumentalisiert zu werden. Also schreib ich nix gegen Israel und nix gegen Hamas, ich schreib auch nix für Israel und auch nix für Hamas.

Haben die damit ihr Ziel erreicht? Ich halte Klappe und Keyboard damit die jüdischen und muslimischen Terroristen ihr faschistisches Dasein weiter an der jeweils anderen Existenz begründen um im Namen ihres Gottes, Propheten oder Sonstwem immer weiter töten und aufrüsten zu können? Wer verdient eigentlich an dem Ganzen? Die Waffen-Lobby? Die Bestattungsindustrie? Die Nazis würden sagen „die Juden“, die Russen sagen „die Amerikaner“, die Fußball-Ultras sagen „der DFB“, die Schwurbler verdächtigen Lauterbach und die AFD weiß, dass es die Migranten sind. Das interessiert mich so oder so nicht wirklich, denn die Hintermänner in irgendwelchen Baracken oder Beduinenzelten gibt es schon lange nicht mehr. Die Hinter- sind mittlerweile Obermänner und thronen in ihren klimatisierten Penthouses zwischen Dubai, London, Doha und New York. Die lassen realballern und echtsterben, statt sich mit nur-virtuellen Ego-Shootern zu langweilen und verdienen an irgendwelchen Börsenschiebereien auf den Sargdeckeln der Real-Toten ihre Milliarden.

Dagegen anzuschreiben ist komplett sinnlos, weil die zu hoch sitzen, um erreichbar zu sein. Deshalb schreibe ich auch nicht gegen sondern für etwas: für das jüdische und für das palästinensische Volk. Hey Volk! Könnt Ihr Eure ewig Vorgestrigen nicht einfach mal auf dem Scheiterhaufen der Geschichte entsorgen? Also den Hand-Langern des Todes endlich ihr Hand-Werk legen und sei es, dass ihr denen ganz würdevoll und traditionsbewusst ihre Hände abhackt? In beiden Völkern gleichzeitig? Wenn ihr beide einfach prinzipiell aufhören würdet zu morden und zu brandschatzen: „Tut uns leid, wir morden nicht mehr… aus Prinzip“, dann verlieren die im Penthouse Drohnenden ihren Spaß an Euch, weil die EgoShooter Freude an CounterStrike ohne Hände im wahrsten Sinn des Wortes abhanden kommt. Das wäre doch ‘mal ‘was. Wenn das Blut bei Euch nicht mehr spritzt, suchen sich die Penthouse-Emporgekommenen sicher umgehend einen anderen Thrill. Den sollten wir ihnen bieten, z.B. Flüge mit Musks Mars-Raketen… entweder geplatzt oder auf dem Mars, Hauptsache weg. Oder tauchen zur Titanic. Mit ein bisschen Glück sind die Herrschaften überwältigt, mit mehr Glück sind sie platt.

Darüber würde ich gerne schreiben.

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