{"id":4123,"date":"2022-07-02T21:24:17","date_gmt":"2022-07-02T19:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walross-gelandet.de\/?p=4123"},"modified":"2022-09-10T19:16:37","modified_gmt":"2022-09-10T17:16:37","slug":"friede-oeko-leichentuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walross-gelandet.de\/?p=4123","title":{"rendered":"Friede, \u00d6ko, Leichentuch"},"content":{"rendered":"<p>Seit den 1970er Jahren habe ich Recycling-Papier benutzt, bereits zu einer Zeit als das noch aussah wie das einlagige Klopapier, das man heute bestenfalls noch in Landgasth\u00f6fen mit selten frequentierter Toilette finden kann. Nat\u00fcrlich war das Recycling-Papier teurer als wei\u00dfes Normalpapier und man konnte es nur mit Bleistift oder Kuli beschreiben, weil F\u00fcller und Filzer sich in dem Material zu unleserlichen Rohrschachfiguren verflossen. Ich habe h\u00e4ssliche Briefe geschrieben aber ich war umweltbewusst.<\/p>\n<p>Ich habe mein erstes Auto in den 1980er Jahren trotz extrem klammem Geldbeutel f\u00fcr \u00fcber 1000 Mark umbauen lassen, damit ich einen Katalysator im Auspuff hatte und bleifreies Benzin tanken konnte. Nach dem Umbau war es nicht mehr m\u00f6glich mit meiner Rostlaube verbleites Benzin zu tanken und bleifreies Benzin gab es nur an wenigen Tankstellen. Selbstverst\u00e4ndlich war \u201eBleifrei\u201c \u2013 obwohl ja gar kein Blei reingegeben werden musste \u2013 wesentlich teurer als das verbleite Benzin. Meine Werkstatt hielt mich f\u00fcr einen Spinner, trotzdem habe ich in saubere Luft investiert.<\/p>\n<p>Ich habe mich in Schwandorf regelhaft zusammen mit zahlreichen weiteren Friesennerzgegelbten Sympathisanten von der Bereitschaftspolizei duschen lassen, wenn wir am Wochenende gegen die Wiederaufbereitungsanlage am Wackersdorfer Zaunmonument absa\u00dfen. Am 1. Mai demonstrierten wir nicht gewerkschaftsgesteuert laut skandierend f\u00fcr mehr Geld sondern marschierten friedensbewegt f\u00fcr weniger Waffen. UND: Der \u201eAtomkraft Nein Danke\u201c oder der \u201eSchwerter zu Pflugschaaren\u201c-Button auf der Schultasche qualifizierte uns Jungs bei den M\u00e4dels und umgekehrt als knutsch- und ku\u00df-akzeptabel und war \u2013 so waren wir uns sicher \u2013 der einzige Weg, dass wir uns in Zukunft fortpflanzen d\u00fcrften. Ohne Button war man chancenlos, mit Button potenzieller Gr\u00fcnder der neuen Generation. F\u00fcr mich war \u00d6ko logisch und das Peace-Zeichen auf dem T-Shirt ein Sozial-Potenzmittel.<\/p>\n<p>\u00dcber Jahrzehnte habe ich liebevoll die Aluminiumdeckel von Joghurtbechern abgezogen, abgeschleckt und nachdem ich Papier und Plastik des Bechers voneinander getrennt, sowie den Becher leer gegessen und abgesp\u00fclt habe, final alle Teile brav ins Recycling gegeben. Bioabfall kompostiere ich teils kommunal, teils privat, je nach Art der vom Abfallbeamten entwickelten Verrottungsmatrix. Man will zuhause ja keine Ratten anziehen aber Igel lieben den Laubhaufen mit Rosen- und Heckenverschnitt im Garten. So habe ich die umfassende kommunale M\u00fcllphilosophie vom obligaten \u201ealles getrennt beim Recyclinghof abliefern\u201c \u00fcber die Nutzung von diversen Trenn-Containern bis zur Sammelabholung des Verpackungsgemenges im gelben Sack als zunehmend qualifizierter Materialwissenschaftler stets engagiert begleitet.<\/p>\n<p>Ich habe mich bem\u00fcht Diesel zu sparen, indem ich ein kleines Auto weitgehend verhalten fahre und versuche Tempo 140 nicht zu \u00fcberschreiten. Immer bei h\u00f6heren Geschwindigkeiten &#8211; mit tempoproportional schlechtem Gewissen auf dem Pedal &#8211; gelobe ich, bald wieder f\u00fcr Greenpeace oder SeaEye zu spenden. Ich bin vor Corona sogar so oft Zug gefahren, dass ich \u00fcber viele Jahre BahnBonus-Bevorzugter war. Das Bahnfahren habe ich seit Corona zwar reduziert, ich fahre jetzt aber so oft es geht Rad. Fliegen mag ich sowieso nicht, so verbinde ich Flugangst und alle \u00fcblen Energieverbrauchs-Bewegungs-S\u00fcnden mit dem Grundsatz: Bleib zuhause und n\u00e4hre Dich redlich, was leider auch die \u00fcblichen Folgen auf meine Statur hat.<\/p>\n<p>Ich habe seit Jahren, au\u00dfer &#8222;die Blauen&#8220; bei IKEA, kaum mehr Plastikt\u00fcten benutzt. Stattdessen habe ich im Supermarkt entweder Papiert\u00fcten gekauft oder nach freiwerdenden Verpackungskartons geschielt. Nicht selten habe ich Letztere aus dem Pappe-M\u00fcllwagen im Supermarkt-Flur geangelt. Die Discount-Damen gucken dann immer ein wenig schief (oder bilde ich mir das nur ein?) und mir entweicht ein L\u00e4cheln zusammen mit einer mit gesenktem Gesicht samt vor mich hingemurmelter Laut\u00e4u\u00dferung wie \u201eschulligung isdiekiste frei\u201c. Pappe statt Plastik.<\/p>\n<p>Ich habe ein DIN-Norm-ged\u00e4mmtes Holzhaus gebaut, das malerisch vor dem G\u00e4stezimmerfenster \u00fcber einen energiesparenden Luft-W\u00e4rmetauscher in Form einer Heutrocknungsanlage verf\u00fcgt und alternativ sogar mit Kaminholz beheizt werden kann. Auf meinem Haus- und Garagendach finden sich eine warmduscherfreundliche Solarthermie-Verrohrung und eine s\u00fcndteure Photovoltaikanlage mit angeschlossener autarkieversprechender Speicherbatterie. Batterie, W\u00e4rmtauscher und vieles anderes im Haus ist internet-steuerbar. So kann ich von meinem Mobiltelefon aus genie\u00dfen, wenn mir die Sonne dank Einspeisungsverg\u00fctung das Gef\u00fchl gibt, Strom-Magnat zu sein. Ich energieoptimiere die smarte Geschirrsp\u00fclmaschine, die funkschaltbaren Lampen und den Solarbatterie-Block \u00fcber die APP meiner Home-Kameras als veritabler Online-Block-Wart.<\/p>\n<p>Meine Frau und meine Tochter verzichten schon lang auf Fleisch und selbst ich schr\u00e4nke meinen Fleischverbrauch zunehmend ein, weil Rinderf\u00fcrze und Schweineg\u00fclle, Viehfutteranbau und Schlachtb\u00e4nke Tiere leiden, Menschen fett werden und die Welt verodeln lassen. Methan ist der Satan aus dem rauchenden Rinderpo, der diesem entweicht, nur um ihn sp\u00e4ter zur Schinkenbacke zu r\u00e4uchern. H\u00fchner essen ist sowieso out, seit die Pharma-Konzerne ihre allgegenw\u00e4rtigen Lieferprobleme bei Antibiotika auf den erh\u00f6hten Verbrauch in den diversen Wald- und Wiesenh\u00f6fen zur\u00fcckf\u00fchren k\u00f6nnen. Dass das Essgetier armen Menschen die Nahrung wegpickt und niewiderk\u00e4ut nagt zudem am Frieden der Welt. Ich bem\u00fche mich also sogar f\u00fcr Umwelt und Frieden zu essen.<\/p>\n<p>Wir haben Demokratie erlebt und erlitten. \u201eMake love not war\u201c, Blume im Haar und Pace-Flagge am Balkon, auch wenn zwischenzeitlich die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung der Influencer-Dominanz mit ihrem Like-gesteuerten Wertebild gewichen zu sein scheint. Und jetzt bombt und schie\u00dft der Russe vor unseren Toren. Mein Vater hatte Zeit Lebens gewarnt, dass er kommen wird. Hey Du Desputin, ist Dir klar, dass alleine einer Deiner Panzer all meine lebenslangen M\u00fcllvermeidungs-, Energiespar- und Umweltschutzbem\u00fchungen ins vor-gr\u00fcne Dreckschleuder- und Energieverpuffer-Zeitalter auf einen Schlag zur\u00fcckkatapultiert. Warum bin ich nicht in meinen jungen Jahren spa\u00dfeshalber mit vollem Rohr \u00fcber die Autobahnen gerauscht, wenn Du jetzt herumbrennst wie ein gesengtes R\u00fcsseltier. Meinst Du, ich wollte Dir meine Lebensleistung an Umweltschutz-Zeit und -Investitionen schenken? Du bist ein aktiver M\u00f6rder, das wissen wir. Du konterkarrierst aber nicht nur alle Friedensbewegten ins Niwana. Du l\u00f6schst auch die Bem\u00fchungen einer ganzen Generation, die Welt zu einem ein bisschen besseren, saubereren, umweltbewussteren Platz zu machen einfach aus.<\/p>\n<p>Wei\u00dft Du was? Ich verachte Dich f\u00fcr Dein Morden\u2026 ganz abstrakt, wie ich das Morden an sich sowieso verachte. Aber ich hasse Dich ganz pers\u00f6nlich, weil Du mein Lebenswerk als zumindest bem\u00fchter \u00d6ko- und Friedensbettler zerst\u00f6rst. Du wirst es verhindern, dass meine Generation in Erinnerung bleibt, als die, die den ersten Schritte hin zu einer Vers\u00f6hnung mit der Natur gegangen ist, indem Du die \u00d6ko-Bilanz langfristig so sch\u00e4digst, dass wir &#8211; mangels Bedeutung &#8211; einfach vergessen werden. Du hast es geschafft, dass ausgerechnet die Gr\u00fcnen zustimmen m\u00fcssen, Waffen zu kaufen, zu verschieben, zu ringtauschen und \u2013 das vergisst man leicht \u2013 auch abzuschie\u00dfen. Es gibt n\u00e4mlich keine geladene Waffe, die ihre Bestimmung nicht auch irgendwann am Abzug konsequent durchzieht. Langfristig wird man also Habeck und Behrbaum in den Geschichtsb\u00fcchern bestenfalls als erfolglos oder sogar kriegstreiberisch verewigen und &#8211; das werden die sich eher w\u00fcnschen &#8211; vergessen. Du dagegen wirst als Zeitenwende-Schl\u00e4chter von den Nazis der Zukunft auf ihren T-Shirts glorifiziert werden. Che Putin mit orthodoxem Doppelkreuz im Hintergrund. Wenn es russistische Nazis gibt.. keine Sorge, Nazis gibt es \u00fcberall, sogar bei den Israelis. In der Geschichte wird das was man \u201ewollte\u201c aber nicht \u201emachte\u201c immer nur als ungewollte Machtlosigkeit abgeurteilt. So vernichtest Du das Erbe meiner Generation.<\/p>\n<p>Du, kleinw\u00fcchsiger Pitin, m\u00f6chtegern gro\u00dfer Potin, hast Dich schon oft genug und erfolgreich als Geschichtsf\u00e4lscher bet\u00e4tigt. Also machst Du einfach weiter, betr\u00fcgst Dich vermutlich sogar selbst, weil es Dir vermutlich Wurst ist. Ich w\u00fcnsche Dir viele dicke W\u00fcrste und dass sie Dir im Halse stecken bleiben. Da hilft dann auch der chinesische Ping nix, denn mit St\u00e4bchen geht die Wurst nicht raus. Und wenn sie erst mal richtig feststeckt, dann wei\u00dft Du endlich, wie mir beim Anblick Deines geschichtsniedertr\u00e4chtigen, todesgeschw\u00e4ngerten Vernichtungsgeprotzes zu Mute ist: Nein, nicht zum Morden, auch wenn ich mich dabei ertappe das gegen alle meine Lebens\u00fcberzeugungen hin und wieder zu denken. Du bist zum Kotzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den 1970er Jahren habe ich Recycling-Papier benutzt, bereits zu einer Zeit als das noch aussah wie das einlagige Klopapier, das man heute bestenfalls noch in Landgasth\u00f6fen mit selten frequentierter Toilette finden kann. 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